Betzinger Schulhäuser
Das Schul- und Rathaus von 1745 neben der Kirche





 

Die Geschichte der Betzinger Schulhäuser lässt sich bis in das Jahr 1745 zurückverfolgen. In diesem Jahr wurde zum ersten mal ein Schulhaus in Betzingen erwähnt. Dieses Gebäude war allerdings kein reines Schulgebäude, sondern ein Schul- und Rathaus, das 1745  unweit der Kirche erbaut wurde. Der Standort dieses alten Betzinger Schul- und Rathauses, welches mit dem Giebel zur Straße „Im Dorf“ stand, war in etwa an der Stelle, an der sich heute das Wartehäuschen der Bushaltestelle befindet. Im heutigen Betzinger Rathaus befindet sich im Sitzungssaal noch ein Bild, welches dieses erste Betzinger Schul und Rathaus zeigt.
Dieses Gebäude wurde im Jahr 1784 erweitert und erhielt einen neuen Anbau, der nur für schulische Zwecke genutzt wurde. Eine weitere Erweiterung erfolgte im Jahre 1837, als ein neues Schulzimmer eingerichtet wurde. Dadurch verlor auch das Gebäude seine Funktion als Rathaus und wurde nur noch als reines Schulhaus genutzt. Dafür musste 1838 in Betzingen ein neues Rathaus am rechten Echazufer gebaut werden, das jetzt noch bestehende.
Im Jahre 1867 wurde das Gebäude abgebrochen. Die gut erhaltenen eichenen Balken konnten wieder verwendet werden beim Neubau eines Privatgebäudes in der Auwiesenstraße 10. Dieses Gebäude wurde allerdings vor einigen Jahren durch einen Neubau ersetzt.
Das Schulhaus im Mühlhof von 1825
Im alten Schul- und Rathaus konnten im Laufe der Zeit nicht alle Schulkinder untergebracht werden, weswegen man sich im Jahre 1825 in Betzingen für den Bau eines neuen Schulhauses entschied. Der Standort dieses Schulhauses war in der Mühlstraße 2. Das Gebäude enthielt zwei Klassenzimmer und es wurde bis zum Jahre 1868 als Betzinger Schulhaus genutzt.
Das Schulhaus in der Mühlstraße 2 wurde dann von der Gemeinde an die Fa. Schickhardt verkauft. Von 1900 bis 1953 befand es sich im Besitz des Betzinger Arztes Dr. med. Hans Roth, der darin seine Arztpraxis betrieb. Auch sein Nachfolger Dr. Maier nutzte dieses ehemalige Schulhaus bis in die 80er Jahre hinein als Arztpraxis. Das Gebäude wurde inzwischen abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, in dem der Polizeiposten Betzingen untergebracht ist.
Das Schulhaus bei der Kirche von 1867
Betzingen zählte zu dieser Zeit 1539 Einwohner, die sich auf 356 Familien verteilten. Die beiden bestehenden Schulhäuser wurden in diesem Jahr aufgegeben und man entschloss sich in Betzingen zu einem Schulneubau bei der Kirche. Als Bauplatz wurde ein Stück des Friedhofs verwendet, der sich damals noch neben der Kirche befand und deswegen als Kirchhof bezeichnet wurde sowie ein Teil des Pfarrgartens. Dieses Schulhaus enthielt neben drei großen Klassenzimmern für je 90 Schüler auch zwei Dienstwohnungen für Lehrer. Außerdem waren in einem vierten Zimmer auch zwei Kindergartengruppen in diesem Gebäude untergebracht.
Der Grundstein für dieses Schulhaus wurde am 27. Mai 1867 gelegt und die Schule war 1868 fertiggestellt. In dieses Schulhaus kamen auch die Klassen, die in dem 1825 erbauten Schulhaus im Mühlhof untergebracht waren.
Dieses Schulhaus bei der Kirche wurde in den 1970er Jahren abgerissen, erhalten blieb jedoch bis zum heutigen Tag der Keller des Hauses, der ab und zu von Betzinger Vereinen für Festlichkeiten genutzt wird.
Das Schulhaus in der Eisenbahnstraße von 1890
Trotz des Neubaues des Schulhauses an der Kirche war kurze Zeit später bedingt durch die stets ansteigende Zahl der Schulkinder der Bau einer weitere Schule in Betzingen dringend erforderlich. Als Standort für diese neue Schule waren zwei Grundstücke in der Rainlenstraße, der heutigen Eisenbahnstraße, angekauft  worden. 1890 wurde diese Schule, die in Betzingen immer als „Eisenbahnschule“ bezeichnet wurde, bezogen. Sie erhielt 10 Jahre später noch einen Anbau, so dass im Erdgeschoss ein weiterer Schulsaal für 86 Kinder und eine Lehrerwohnung zur Verfügung standen.
Das Gebäude steht heute noch und wird als Altenbegegnungsstätte genutzt.
Das Schulhaus in der Hoffmannstraße 1906
Die beiden Betzinger Schulen, die Schule an der Kirche und die Eisenbahnschule erwiesen sich von vornherein als zu klein konzipiert und für die schulischen Belange Betzingens als nicht ausreichend. 1906 fasste die Gemeinde den Beschluss im Gewand „Grieß“ an der heutigen Hoffmannstraße ein neues und wesentlich größeres Schulhaus zu bauen. Dieser Standort  bot sich deswegen an, weil diese zum Bau benötigten Grundstücke bereits Gemeindeeigentum waren.

Im September 1906 wurde mit den Bauarbeiten an der Hoffmannschule begonnen (siehe Bild oben). Im Frühjar 1907 war das Gebäude fertig und wurde eingeweiht
 

Wenige Jahre später musste das neu erbaute Schulhaus bereits vergrößert werden. Im Jahr 1911 wurde die Hoffmannschule durch einen Anbau an der linken Seite des Gebäudes um ein Drittel erweitert, außerdem wurde im Dachgeschoss ein Zeichensaal eingebaut. Nach diesem Anbau standen in der Hoffmannschule sieben Klassenzimmer und eben dieser Zeichensaal zur Verfügung.

Im Jahre 1914 wurde gegenüber der Hoffmannschule eine Turn- und Festhalle erstellt, die von den Schülern und Schülerinnen der Schule für den Sportunterricht benutzt werden durfte. Auch der Platz vor der Halle wurde bei gutem Wetter als sog. „Turnplatz“ genutzt, noch bis weit in die 50er und 60er Jahre hinein.

 

Über 50 Jahre lang ruhte nun die Bautätigkeit, was Betzinger Schulhäuser anbelangt. Erst im Jahre 1965 erfuhr die Hoffmannschule wieder eine dringend benötigte Erweiterung. Der alten Schule fehlte es an Spezialräumen wie z.B. Lehrküche, Werkraum und Räume für die naturwissenschaftlichen Fächer. Ursprünglich war geplant, ein völlig neues Schulzentrum im damals neu entstandenen Siedlungsgebiet der Bergäcker Richtung Degerschlacht zu erbauen. Diese Pläne wurden allerdings wieder fallen gelassen, weil man auf die Nähe zum alten Schulgebäude achten wollte und wegen des an der Hoffmannschule vorhandenen Turnplatzes und der Turnhalle. 
Deswegen wurde im Gewand „Im Kleinen Grieß“ 1965 mit dem Beginn eines „Ergänzungbaues“ der Hoffmannschule begonnen. Dieser für 1,8 Mio. erbaute „Ergänzungsbau“ - das heutige sog. Rektoratsgebäude - wurde 1966 eingeweiht und die Schule hatte damit ihre dringend benötigte Fachräume und zusätzlich noch 8 Klassenräume für die Hauptschulklassen.
Bereits 2 Jahre später wurde mit den Grabarbeiten zu einem „Erweiterungsbau“ begonnen, der 1970 fertiggestellt wurde und Klassenräume für die Klassen 3 und 4 und verschiedene Fachräume enthält. Im gleichen Jahr wurde auch die Hans-Roth-Sporthalle als weitere Sportstätte erbaut und 1974 die Schwimmhalle bezogen.
"Ergänzungsbau" - heutiges Rektoratsgebäude
der Erweiterungsbau