Der große Brand von Reutlingen 1726

 
Die einschneidenste Katastrophe, die über Reutlingen hereinbrach war der Stadtbrand von 1726. Vom 23.-25. September jagte der Brand straßauf und -ab und legte über 86% der Häuser in Schutt und Asche. Die Marienkirche wurde stark beschädigt, 60% der Stadtmauer, vor allem die Wehrgänge wurden zerstört. Der Brand wurde vielfach als Folge des angeblichen Lasterlebens in der freien Reichstadt Reutlingen interpretiert: 

"Oh Reutlingen, Dein Sünd, Dein Brand"


 
Aus einem zeitgenössischen Zeitungsartikel erfahren wir über den großen Brand:
Dieser arme und beweinenswerte Orth dachte den 23. Sept. um mittags noch an kein Unglück. Als sie aber des nachts zwischen 8 und 9 Uhr zur Ruhe gedachten sich zu begeben, entstand durch Verwahrlosung in eines Schuhmachers Behausung eine Feuersbrunst, dessen Flammen bey entstandenem starcken Wind über 900 Häuser samt Kirch und Schulen erbärmlich entzündet und in Asche geleget, wovon wir hier nur die publiken Gebäuden melden wollen. So ist vieles zu Grund dahin gegangen, daß die darüber entstandenen Wehklagen nicht zu beschreiben noch ohne herzschmerzliche Thränen anzuhören, da einige nichts als die allerletzte alltägliche Kleidung auf dem Leib tragen. Kurz, kein Mensch ist fähig diesen Jammer zu beschreiben.