Seldner- und Weberhäuser

 
In den Außenbezirken des alten Dorfbereiches trifft man auch heute noch vor allem in der Bonlandenstraße, aber auch in der Wannweiler Straße und in der Webergasse Zeilen von Kleinst-Einhäusern an. Es sind sog. Seldnerhäuser. 
Die linke Abbildung zeigt ein relativ ursprüngliches Seldnerhaus, während das untere Foto ein Seldnerhaus zeigt, welches aufgestockt und modernisiert wurde.
Seldner waren Tagelöhner oder Kleinhandwerker, die zur untersten ländlichen Bevölkerung zählten. Die Seldnerhäuschen waren sehr bescheiden, einstockig und meist ohne Scheuer, Hof und Garten. Die Seldner konnten vielfach nur Kleinvieh halten, wofür sie nur einen kleinen Stall benötigten. Dieser und die Werkstatt waren meist im Kellergeschoss untergebracht.
Dank wachsender Prosperität der jetzigen Hausbesitzer sind die Seldnerhäuschen jedoch häufig aufgestockt und renoviert worden und zeigen erst auf den zweiten Blick ihre Originalität.
In der Nähe der Wannweiler Straße gibt es heute noch eine Webergasse mit charakteristischen kleinen Weberhäuschen. Die ehemalige Webstube, auch "Dunke" genannt, befand sich im Untergeschoss der Häuser, die bei manchen Gebäuden heute noch zu sehen ist. Betzingen war nämlich im 19. Jhd. ein ausgesprochenes Weberdorf. In keinem anderen Ort lebten mehr Leineweber als in Betzingen.
Seldnerhäuser in den 60er Jahren in der Bonlandenstraße in Betzingen
Fast alle verbliebenen Seldnerhäuser in Betzingen sind inzwischen von ihren Besitzern aufgestockt, vergrößert, renoviert worden. Viele erhielten auch einen Anbau, um mehr Wohnraum nutzen zu können. Der ursprünglich armselige Charakter der Häuser ging dadurch weitgehend verloren. Untere Fotos aus 2006