Eine römische Villa in Betzingen - ausgegraben im September 1905
Im September 1905 wurden  in der Betzinger Villastraße (die damals noch nicht so hieß) die Überreste einer römischen "villa rustica" gefunden.
Quellenangabe:
Reutlinger Geschichtsblätter Nr. 6 vom Dezember 1905, Artikel von Ludwig Sontheimer
Das Bild der Rekonstruktion der Betzinger römischen Villa  wurde mir freundlicherweise von Erich Nedele aus Betzingen  zur Verfügung gestellt.
Rekonstruktion der Betzinger villa rustica
In einem Acker, oberhalb der Weggabel, welche die alte Straße Betzingen - Reutlingen mit dem vorrömischen nach Metzingen führenden "Dietweg" bildet, (mit dieser Weggabel  ist die heutige Kreuzung der Heppstraße und der Schanzstraße gemeint) zeichneten sich nach Aussagen der Besitzer in trockenen Jahren deutlich die Grundmauern eines Gebäudes ab. Hindernisse beim Pflügen veranlassten die Besitzer zu Nachgrabungen, bei denen sie ein Gewölbe und zwei Sandsteinsäulen fanden. 
Die von den Besitzern gefundene Sandsteinsäule
Dieser Fund rief den Reutlinger Altertumsverein und besonders den Fabrikanten Emil Gminder auf den Plan, der die nötigen Arbeitskräfte für die Ausgrabungen zur Verfügung stellte und mit einem Herrn Widmayer einen Fachmann für die zeichnerische Aufnahme der römischen Relikte gewinnen konnte.

Bald stellte sich heraus, dass es sich bei dem Betzinger Fund wohl um die Überreste einer "villa rustica" handeln dürfte, mit einem geradezu klassischen Aufbau:

Die Vorderfront der Anlage geht nach Süden, wobei der Mittelbau (III) links und rechts von zwei größeren beheizbaren Wohnräumen (II und IV) flankiert  wird. Der Mittelbau selbst besitzt noch ein kellerartiges Untergeschoss mit Lichtschächten. An dem Raum (II) ist noch das kleine Gelass (I) angefügt, welches ebenfalls beheizbar war. An dieses schließt sich ein langgestreckter Raum (V) an.
 

 

Plan der Betzinger römischen villa rustica und Lage der gefundenen Räume  I - V