Die römische villa rustica von Betzingen: Beschreibung der Räume

 
Villa rustica in Betzingen
Raum I (Maße 3,25 m x 4.05 m ) enthält Mörtelboden aus Kalk, Sand und Kies, darunter Lehm und Schiefer. Über dem Boden befinden sich Heizkacheln mit starkem Rußbelag. Der Eingang war von Zimmer II aus. Für ein Badezimmer sind die Heizanlagen zu unbedeutend, weswegen anzunehmen ist, dass es sich bei dem Raum I um die Küche handelt. Dafür spricht auch die Menge Ruß und Asche und zahlreiche dort aufgefundene Tierknochenreste.
Raum V (Maße 19,75 m x 4 m) Hierbei handelt es sich um einen Viehstall
 Raum II (Maße 7,40 m x 6,80 m) ist ein beheizbarer Wohnraum mit Heizkacheln versehen
Raum IV (Maße 7,40 m x 5,90 m) ist ein beheizbarer Wohnraum mit Heizkacheln versehen, fast identisch mit Raum II  
Raum III: Mittelteil mit kellerartigem Unterbau (15 m x 4,40 m) In die Ostwand dieses Raumes sind 2 Nischen eingesetzt, sog. lararia, in denen Stauen der Hausgötter zur Schau gestellt wurden. Die Wände sind im ganzen Keller zum Schutz gegen Feuchtigkeit mit dickem Mörtel beworfen und überall, auch im Bereich der Nischen mit roter Farbe bemalt.. Die Südmauer ist durch 4 Lichtschächte unterbrochen. In der Nordwest-Ecke läuft eine aus Sandsteinstufen erbaute Treppe in den Hof hinauf. Durch den Kellerraum zieht sich fast diagonal eine in den gewachsenen Schiefer gehauene Dohle und neben ihr befindet sich ein keilförmiger Stein unbekannter Bestimmung. Der Mittelteil war wohl der wichtigste Wohnraum, der dicke Mörtelbelag sorgte für eine stets gleichmäßige Temperatur
Atrium (Maße des Hofes 28 m x 35,5 m) Die Einfahrt erfolgte von Westen her. Die Betzinger Villa rustica hat sicher die Funktion eines Bauernhofes gehabt, wofür insbesondere die langgestreckte Stallanlage hinweist. Allerdings könnte sie auch - wegen ihrer Lage unweit der wichtigen Weggabelung zweier alter Verkehrsstraßen zusätzlich den Zweck einer Poststation erfüllt haben.
Historische Bilder von den Ausgrabungen der villa rustica in Betzingen
Ausgrabungen villa rustica Betzingen
Steintreppe ins Atrium: Villa rustica Betzingen
Lararia (Nische) in der Ostwand des Kellers
Steintreppe, die vom Keller in das Atrium hochführt
Erich Nedele mit Säule 1962
Idealbild einer villa rustica
Säule aus der Betzinger villa rustica im Garten der Villa Gminder in der Steinenbergstr. 51 begutachtet von Erich Nedele am 22. April 1962 Idealvorstellung einer villa rustica. Sehr viele der hier gezeigten Elemente fanden sich auch in der Betzinger villa rustica
Leider erinnert heute (abgesehen von dem Straßennamen "Villastraße") nichts mehr an die römische villa rustica in Betzingen. Die Stelle, an der sie sich befand, ist bereits kurze Zeit nach den Ausgrabungen mit Wohnhäusern überbaut worden. Die beiden gefundenen Säulen kamen zuerst in den Garten der Gminder'schen Villa in der Tübinger Straße, heute befinden sie sich im Besitz des Heimatmuseums in Reutlingen.